Sitzen und Positionieren in Rollstühlen

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Menschen im Rollstuhl sind auf eine gute Druckentlastung angewiesen. Dafür ist das Erreichen einer komfortablen und medizinisch optimalen Sitzposition ein wesentlicher Bestandteil. Jeder Rollstuhl muss mit einem Sitzkissen ausgestattet werden.

Die richtige Balance zwischen Positionieren und Entlasten ist der Schlüssel zum richtigen Sitzen. Gefährdete Bereiche, in denen schnell ein Druckgeschwür (Dekubitus) entstehen kann, werden wirkungsvoll entlastet. Dieser kleine Ratgeber soll Ihnen dabei helfen, Alltag und Freizeit unbeschwert zu genießen und ganz nach Ihren Vorstellungen gestalten zu können.

1. Sitzen und Positionieren

positionierenDas richtige Sitzkissen ist für die Gesundheit, Sicherheit und den Komfort des Anwenders von wichtiger Bedeutung. Eine präventive Anwendung kann helfen, teure Therapien un eine schwierige Erholungsphase zu vermeiden.

Jeder Mensch empfindet Sitzen und Sitzkomfort anders. Aus diesem Grund ist das Zusammenspiel von Rollstuhl, Sitzkissen und Rücken von enormer Wichtigkeit.

„Sitzen ist etwas ganz Individuelles“

Eine für den Nutzer richtige Unterstützung, ein richtiger Halt, verhindert Ermüdung, erhöht den Sitzkomfort und ermöglicht so eine aktive Teilnahme am Gesellschaftsleben.

Bewegtes Sitzen ist aktives Sitzen!

Für die Wahl des richtigen Sitzkissens sind mehrere Faktoren ausschlaggebend:

  • die Sitzstabilisierung
  • der Grad der Dekubitusgefährdung
  • die Sitzdauer
  • das Sitzklima
  • der Sitzkomfort
  • das Maß der benötigten Unterstützungsfläche

Therapeutische Nutzen sind u.a.:

  • Verringerung der Dekubitusgefährdung durch Verbesserung der Druckverteilung
  • Verlängerung der Sitzdauer
  • Verbesserung des Mikroklimas
  • Verbesserung der Ergonomie
  • Verbesserung der Beinführung
  • Stabilisierung der Sitzposition (verhindert Rutschen)
  • Kontrakturenprophylaxe

2. Notwendigkeit von Haltungsunterstützung

… und die Folgen mangelhafter Positionierung

Symmetrisches-BeckenDie Erhaltung des Körpergleichgewichts wird durch ein komplexes Sinnessystem reguliert – den Gleichgewichtssinn, der auch mit den Augen sowie weiteren Sinnen und Reflexen verbunden ist.

Das Zentrum das dem Gleichgewichtssinn zugehörigen Gleichgewichtsorgans kontrolliert als eine Art „innere Waage“ die bewusste Wahrnehmung der Körperposition im Raum und löst bei Lageveränderungen automatisch Korrekturbewegungen aus, um das Körpergleichgewicht wieder herzustellen.

Ziel ist es, z.B. durch Ungleichgewicht und damit durch ungleiche Belastung der Körperregionen verursachte Störungen der Körpersymmetrie und Haltungsschäden am Bewegungsapparat, also an Muskeln, Sehnen, Bändern, Gelenken und Knochen sowie auch an der Haut zu vermeiden.

Haltungsschäden und Störungen der Körpersymmetrie können sowohl krankheits- als auch berufsbedingt auftreten. Werden Schmerzen und Verspannungen als Warnzeichen ignoriert, können schwerwiegende Erkrankungen des Skelettsystems daraus resultieren.

Wenn jedoch automatische Korrekturbewegungen nicht selbstständig möglich und auch nicht zu trainieren sind, müssen Fehlhaltungen durch Hilfsmittel ausgeglichen werden; der Körper ist – technisch gesprochen – in eine funktionsgerechte Position zu bringen.

Wenn Körperfehlstellungen nicht korrigiert oder positiv beeinflusst werden, so können die sich daraus ergebenen Folgeerkrankungen erheblich sein.

Durch eine gezielte Haltungsunterstützung können z.B. die Atmung, Durchblutung oder auch die Verdauung verbessert beziehungsweise gefördert werden. Besonders wichtig ist dabei die individuelle und dynamische Anpassung der Hilfsmittel, insbesondere bei Patienten mit fortschreitendem (=progressivem) Krankheitsverlauf.

Mangelhafte Positionierung verursacht durch ungleichgewichtige Gewebsbelastung lokale, externe Druckspitzen und damit Gewebe- und Hautschäden. Die innovative und zeitgemäße Versorgung von heute ist daher immer ein Zusammenwirken von Hautschutz und Positionierung.

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1 Reaktion

  1. Ein informativer Artikel – mit dem Ziel Störungen der Körpersymmetrie und Haltungsschäden am Bewegungsapparat zu vermeiden und schont zugleich den Patienten vor einer langen und evtl. schwierige Erholungsphase. Vielen Dank dafür.

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