Therapie nach der Amputation

Die ersten Therapiemaßnahmen beginnen schon kurz nach der Amputation. Die Wunde wird versorgt und auf das Tragen einer Prothese vorbereitet. Sobald die Operationswunde gut verheilt ist, beginnt die eigentliche prothetische Versorgung und Rehabilitation. Dies dauert in den meisten Fällen bis zu einem halben Jahr.

Lagerung nach Amputation

Schon im Krankenhausbett sollten Sie die richtige Körperhaltung einnehmen, damit sich die Muskeln Gelenke nicht verkürzen bzw,. versteifen und womöglich nach und nach eine komplette Streckung der Gelenke verhindern.
Therapie nach Amputation
Diese Streckung ist jedoch für das Stehen und aufrechte Gehen sehr wichtig. Anfangs nehmen Patienten meistens eine angenehme und schmerzfreie Position ein, die jedoch erfahrungsgemäß nicht immer die optimale ist.

Vielmehr sollte der Stumpf möglichst gestreckt liegen. Er darf auf keinen Fall dauerhaft – z.B. auf einem Kissen – gebeugt gelagert werden, da sich sonst die Muskeln im Bereich der Hüfte verkürzen und der Stumpf später schlechter bewegt werden kann. Eine weitere vorbeugende Maßnahme ist eine feste Matratze. Dadurch können Sie vermeiden, dass Ihr Gesäß in Rückenlage einsinkt und somit Ihre Hüfte gebeugt ist.

Richtiges Sitzen nach Amputation

Nach der Operation kann es sein, dass Sie zunächst auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Bei einer Oberschenkelamputation sollten Sie eine harte Sitzauflage verwenden. Mit dieser Maßnahme beugen Sie Wirbelsäulenveränderungen vor.

Bei einer Unterschenkelamputation sollten Sie ein verlängertes Sitzbrett verwenden. Dadurch können Sie sowohl einer Kniebeuge-Kontraktur als auch Stumpfschwellungen entgegenwirken.

Mobilisierung nach Amputation

Bewegen Sie Ihren Stumpf mehrfach täglich. Dadurch können Sie vermeiden, dass Ihre Gelenke an Beweglichkeit verlieren. Eine frühe Mobilisierung, z.B. auf einem Stuhl sitzen, ist wichtig, da sich dies positiv auf die Aktivierung des Kreislaufs auswirkt und Ihr Gleichgewicht gefördert wird. Lasen Sie sich von Ihrem Therapeuten Bewegungsübungen zeigen, die zum entsprechenden Zeitpunkt für Sie die richtigen sind. Entscheidend ist also eine Kombination aus richtiger Lagerung und Bewegung.

Frühe Kompressionstherapie nach Amputation

Nach der Operation erhalten Sie einen Wundverband, der in regelmäßigen Abständen gewechselt wird. Danach beginnt die Kompressionstherapie z.B. mit einem Kompressionsverband. Den genauen Zeitpunkt bestimmt Ihr behandelnder Arzt.

Amputation KompressionsverbandZiel dieser Therapie ist, das Stumpfödem zu reduzieren und den Stumpf für Ihre spätere Prothese vorzubereiten. Die Kompression des Strumpfes hilft, die Anpassung Ihrer Prothese zu optimieren. Zudem fördert die Kompression die Durchblutung des Stumpfes. Dadurch haben Sie weniger Schmerzen und die Narbe heilt besser.

Auf den Fotos sehen Sie die verschiedenen Techniken, die bei der Kompressionstherapie möglich sind: das Wickeln des Stumpfes (Kompressionsverband) oder das Tragen eines vorgegebenen Silikonliners.

Die Passform des Kompressionsverbandes bzw. des Liners kann anhand der Hautfärbung oder -temperatur beurteilt werden. Vor allem bei Durchblutungs- und Sensibilitätsstörungen müssen Verband bzw. Liner zur Kontrolle regelmäßig entfernt und erneut angelegt werden.

Kompressionsverband

Durch den Kompressionsverband lässt sich der Druck von Tag zu Tag oder auch im Verlauf eines Tages neu dosieren. Der Druck sollte am Stumpfende am höchsten sein und zum Körper hin immer weiter nachlassen.

Zum Wickeln dieses Verbands werden elastische Zugbinden benutzt, die mit Pflaster fixiert werden. Da diese Methode einiger Übung und Erfahrung bedarf, sollte der Verband entweder vom Fachpersonal angelegt werden oder Sie lassen sich die richtige Wickeltechnik vom Pflegepersonal zeigen. Wichtig ist, dass der Stumpf durch den Verband nicht abgeschnürt wird, Schmerzen dürfen nicht entstehen.

Silikonliner

Silikonliner sind hingegen schnell und einfach zu handhaben. Es gibt sie in verschiedenen, vorgefertigten Größen. Um an der Amputationsstelle einen möglichst vollflächigen und gleichmäßigen Druck zu erzeugen, ist beim Anziehen des Liners unbedingt darauf zu achten, dass am Stumpfende keine Luft eingeschlossen wird!

Anfangs kann es sein, dass Sie im Liner vermehrt schwitzen. Das wird sich nach einer gewissen Tragezeit regulieren. Um eventuelle Hautreizungen zu vermeiden, können Sie die Haut im Randbereich des Liners mit etwas Otto Bock Derma Prevent eincremen. Zudem ist die Reinigung des Silikonliners nach jedem Tragen sehr wichtig.

Weiterführende Kompressionstherapie nach Amputation

Sobald das Stumpfvolumen über einen längeren Zeitraum stabil ist, also wenn die gemessenen Umfänge Ihres Stumpfes nicht mehr geringer werden, kann mit der prothetischen Versorgung begonnen werden. Bis zu diesem Zeitpunkt sollte die Kompression ständig aufrechterhalten werden. Ihr Behandlungsteam wird Ihnen oder Ihren Angehörigen zeigen, wie Sie selbstständig dafür sorgen können.

Sofern Sie die Prothese zu Beginn Ihrer Versorgung nur über einen kurzen Zeitraum tragen (z.B. für Anproben im Kompetenz-Zentrum), sollten Sie während der restlichen Zeit wieder Ihren Kompressionsverband bzw. Liner anlegen. Sobald Sie Ihre Prothese über einen längeren Zeitraum tragen, benötigen Sie keine zusätzliche Kompression mehr.

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